Astronomische Arbeitsgemeinschaft der

Badener Urania

(Leitung Ing. Baumgartner)

Im Parterre des BG Baden, Biondekgasse 6
(Gehen Sie an der Bibliothek vorbei, dann links um die Ecke bis zum Klassenraum der NE/A.)



Freitag, 16. Dezember um 19:00 Uhr

1) Space-News
2) Ing. Gerhard Baumgartner: "Vesta und Ceres - DAWN, eine Raumsonde im Asteroidengürtel"


 

Freitag, 27. Jänner um 19:00 Uhr
1) Space-News
2) Ing. Gerhard Baumgartner: "Planeten mit Ring"

 


Gäste sind - bei freiem Eintritt - herzlich willkommen!!

Hier kommen Sie zu den bereits gehaltenen Vorträgen von Herrn Ing. Baumgartner!



Ein Rückblick auf die Vorträge des Jahres 2009.

Die Mitglieder der Astronomische Arbeitsgemeinschaft treffen sich vom Oktober bis Mai jeweils am letzten Freitag des Monats um 19 Uhr zu einem Vortragsabend im Bibliothekssaal des Gymnasiums Biondekgasse. In acht Vortragsabenden kamen rund 70 Mitglieder und Gäste zusammen, um sich in einem allgemeinen Teil, den "Space News" mit Neuigkeiten aus den Bereichen der Astronomie und der Weltraumforschung auseinanderzusetzen, und in einem darauffolgenden "Hauptvortrag" mit sehr unterschiedlichen Themen zu befassen: unserem Sonnensystem, den Planeten, der ersten bemannten Mondlandung am 20. Juli 1969, der europäischen Weltraumforschung, oder dem ersten österreichischen Satelliten.
Am 30. Jänner 2009 befassten wir uns mit den vielen kleinen Objekten, die jenseits des Planeten Neptun um unsere Sonne kreisen: den sogenannten "Kuiper-Gürtel"-Objekten, benannt nach dem US-amerikanischen Astronomen niederländischer Herkunft Gerard Kuiper. Vor allem die mittlerweile vier Zwergplaneten Pluto, Eris, Makemake und Haumea standen im Zentrum der Betrachtungen.
Galileo Galilei stand am 27. Februar im Mittelpunkt des Abends, während am 27. März unser Heimatplanet Erde und sein Umweltsystem ausgiebig behandelt wurde.
Am 24. April hinterfragten wir die Möglichkeit der Existenz von Leben außerhalb unserer Erde. Es wurde auch auf die vielen Bestrebungen eingegangen, mit Hilfe von Raumsonden nach Leben bzw. Lebensbausteinen z. B. auf dem Planeten Mars zu suchen.
Der letzte Abend vor der Sommerpause widmete sich dem 40. Jahrestag der ersten bemannten Landung auf dem Mond. Die Geschichte der Mondforschung, die vielen unbemannten amerikanischen und sowjetischen Flüge zu unserem Erdtrabanten, die Landung von Apollo 11 auf dem Mond und die weiteren bemannten Apollo-Flüge, die unbemannten Nachfolgeprogramme der USA, Europa, Indien und China standen auf dem Programm.
Nach dem Sommer startete die Astronomische Arbeitsgemeinschaft am 30. Oktober mit einer Zusammenfassung der Erforschung des Sonnensystems durch die Europäische Raumfahrtagentur ESA, und am 27. November befassten wir uns mit den beiden neuen europäischen Weltraumobservatorien Herschel und Planck, die die Geschichte des Universums studieren sollen.
Das Arbeitsjahr endete am 18. Dezember mit einem Vortrag über den ersten österreichischen Kleinstsatelliten TUGSat-1 (oder BRITE Austria), der im Rahmen des "Österreichischen Weltraumprogramms 2006", zur Gänze in Österreich entworfen, gebaut und getestet wird und der mit Hilfe einer Sternenkamera die Helligkeits- und Temperaturänderungen massiver, sehr heller Sterne mit bisher nicht erreichter Genauigkeit messen wird. Der Start wird voraussichtlich Ende 2010 oder Anfang 2011 erfolgen.
Der nächste Vortrag am 29. Jänner 2010 wird sich unter dem Titel "Perlen des Universums" mit den vielfältigen Formen der Galaxien in unserem Universum beschäftigen.
Gäste sind jederzeit herzlich willkommen; der Leiter der Astronomischen Arbeitsgemeinschaft und deren Mitglieder freuen sich auf Ihren Besuch. Abschließend wünscht die Astronomische Arbeitsgemeinschaft Baden allen Mitgliedern der Badener Urania ein ruhiges und besinnliches Weihnachtsfest sowie viel Freude und Erfolg zum neuen Jahr 2010.
Ing. Gerhard Baumgartner

40 Jahre Mondlandung - Ein Rückblick

Man schrieb den 21. Juli 1969, als sich die Erde auf ein besonderes Ereignis vorbereitete: erstmals sollten Menschen einen fremden Himmelskörper betreten, dort ihre Aufgaben erfüllen und sicher wieder zu ihrem Heimatplaneten zurückkehren. Die Straßen leerten sich, denn viele saßen, mit Millionen anderen in aller Welt, vor ihren Rundfunkgeräten oder - wer es sich damals schon leisten konnte - vor den Fernsehbildschirmen um dieses weltbewegende Jahrhundertereignis live mitzuverfolgen. Wer erinnert sich noch an Dr. Herbert Pichler und Dr. Peter Nidetzky, die dieses Ereignis im österreichischen Fernsehen kommentierten?

Am 16. Juli 1969 verließen die Astronauten Armstrong, Collins und Aldrin mit Apollo-11 die Erde mit dem Ziel, am Mond zu landen. Dieses Ziel wurde planmäßig erreicht: am 20. Juli 1969 vermeldete Armstrong: "Der Adler [so hieß die Mondlandefähre von Apollo-11] ist gelandet!". Am 21. Juli 1969 verließ Neil Armstrong die schützende Mondlandefähre und setzte als erster Mensch seinen Fuss auf die Oberfläche unseres irdischen Begleiters, dem Mond. Dabei sprach er die mittlerweile historischen Worte: "Das ist ein kleiner Schritt für einen Menschen, aber ein großer Sprung für die Menschheit!". 20 Minuten später verließ auch Edwin Aldrin die Mondfähre. Zur Messung der Zusammensetzung des Sonnenwindes auf dem Mond wurde eine Aluminiumfolie aufgehängt, die kurz vor Ende des Ausfluges wieder mitgenommen wurde. Nachdem die amerikanische Flagge gehisst worden war, errichteten die beiden Astronauten einige kleine Forschungsgeräte auf dem Mond. So ermöglichte z. B. ein Laserreflektor die präzise Messung der Entfernung zwischen Mond und Erde. Außerdem wurden Bodenproben entnommen und 21,6 kg Gestein gesammelt. Der erste Spaziergang auf dem Mond endete nach zwei Stunden und 31 Minuten.

Die Erforschung des Mondes, dem einzigen außerirdischen Himmelskörper in greifbarer Nähe der Erde, wurde zu Beginn der 60er-Jahre von den beiden Großmächten Sowjetunion und den Vereinigten Staaten in großem Tempo vorangetrieben. Allerdings waren nicht nur wissenschaftliche Gründe für die Eroberung des Mondes maßgebend; im Vordergrund stand in erster Linie das Prestigedenken beider Nationen.
Am 25. Mai 1961 verkündete der damalige amerikanische Präsident John F. Kennedy vor dem amerikanischen Kongress das ehrgeizigste technische Programm des 20. Jahrhunderts: "Ich glaube, dass dieses Land sich dem Ziel widmen sollte, noch vor Ende dieses Jahrzehnts einen Menschen auf dem Mond landen zu lassen und ihn wieder sicher zur Erde zurück zu bringen. Kein einziges Weltraumprojekt wird in dieser Zeitspanne die Menschheit mehr beeindrucken, oder wichtiger für die Erforschung des entfernteren Weltraums sein; und keines wird so schwierig oder kostspielig zu erreichen sein." Mit dieser Vorgabe legte Kennedy den Grundstein zu einem prestigekräftigen Wettlauf um die Vorherrschaft im All.
Für eine erfolgreiche Mondmission musste jedoch eine neue stärkere Trägerrakete gebaut werden, die Saturn-5, an deren Entwicklung der deutsch-amerikanische Raketenbauer Wernher von Braun maßgeblichen Anteil hatte. Die Familie der Saturn-Raketen gehört zu den leistungsstärksten Trägersystemen der Raumfahrt, die jemals gebaut wurden.

Der Weg bis zur Mondlandung war ein dorniger und wurde auch Menschen zum Verhängnis: kaum hatte man mit den ersten Tests der Apollo-Raumkapsel auf dem Boden begonnen, kam es zu einer Katastrophe. Während eines simulierten Countdowns verbrannte die Mannschaft bestehend aus Virgil Grissom, Edward White - dem ersten amerikanischen Weltraumspaziergänger - und Roger Chaffee in der Kapsel. Ein Schock für die amerikanische Nation: es waren die ersten Todesopfer der amerikanischen Raumfahrt. Vieles mußte nun geändert und manches neu konstruiert werden. Man war gar nicht so sicher, ob der von Kennedy vorgegebene Zeitplan eingehalten werden konnte.

Das Apollo-Raumschiff bestand aus zwei Teilen: dem Kommandomodul und dem Servicemodul. Das Kommandomodul war eine versiegelte, druckfeste Kabine und bot Platz für drei Astronauten, während das Servicemodul die elektrischen Systeme, Steuerdüsen, Nachrichtensysteme, Systeme für die Lebenserhaltung, und das Haupttriebwerk beinhaltete. Die Landeeinheit bestand ebenfalls aus zwei Elementen: der Startplattform und dem Aufstiegsteil, der die Astronauten wieder zum Apollo Mutterschiff zurückbrachte.

Im Oktober 1968 begann mit Apollo-7 der erste bemannte Testflug eines Apollo-Raumschiffes im Weltraum. In der Erdumlaufbahn wurde vor allem das Andocken an die zukünftige Mondfähre geprobt. Außerdem wurden alle Orientierungs- und Nachrichteneinrichtungen auf ihre Tauglichkeit überprüft. Nur wenige Monate später, am Heiligen Abend 1968, gelang mit Apollo-8 der erste bemannte Flug zum Mond.

Nach weiteren Tests in der Erd- und der Mondumlaufbahn mit Apollo-9 und -10 konnte schließlich mit Apollo-11 die Landung auf der Mondoberfläche gewagt und mit der Rückkehr zur Erde erfolgreich abgeschlossen werden. Am 24. Juli 1969 wasserte die Kapsel im Pazifik und wurde vom Bergungsschiff USS Hornet an Bord genommen.
Aus Furcht vor unbekannten Mikroorganismen mussten die drei Astronauten beim Verlassen der Apollo-Landekapsel Isolationsanzüge tragen und sich in eine 17-tägige Quarantäne begeben, bis alle Bedenken ausgeräumt waren. Aber dann wurde den erfolgreichen Mondfahrern ein triumphaler Empfang von der Bevölkerung bereitet.
Ing. Gerhard Baumgartner

 

 

2008: Erster österreichischer Satellit.

Nachdem schon bisher bei vielen Satelliten auch österreichisches Know-how mit dabei war, wird es künftig auch einen komplett aus heimischen Forschungswerkstätten gefertigten Satelliten geben: das Projekt BRITE (Bright Target Explorer) Austria, Dieser soll Ende 2007 gestartet werden und ab 2008 das Entstehen der Galaxien mit einer Sternenkamera erkunden.

Unter der technischen Federführung der Technischen Universität Graz und der wissenschaftlichen Expertise des Instituts für Astronomie der Universität Wien werden Experten österreichischer Universitäten aus den Fachbereichen Elektrotechnik und Telematik, Astronomie, Satellitengeodäsie, Mechanik und Thermodynamik rund zwei Jahre lang an der Realisierung des Projekts arbeiten. Eine enge Zusammenarbeit besteht dabei mit der Universität Toronto, die umfangreiche Erfahrung im Bau von kleinen Satelliten besitzt. Das Projekt wird zu einem beträchtlichen Teil durch Arbeiten von Studierenden der TU Graz, Universität Wien und TU Wien getragen.

Für die Überwachung des Satelliten BRITE Austria soll eine Bodenstation in Graz verwendet werden, Empfangsstationen für die wissenschaftlichen Daten befinden sich in Graz, Wien und Toronto.

Ing. G. Baumgartner

 

DIE HIMMELSSCHEIBE VON NEBRA

"Wer das erste Mal die Himmelsscheibe von Nebra ansieht, dem fallen sofort "Sonne, Mond und Sterne" auf. Dieser einmalige Fund aus der frühen Bronzezeit, etwa um 1600 v. Ch., ist das einzige Objekt, das solch auffällige Bezüge zur Himmelskunde zeigt und bietet damit zum ersten Mal die Möglichkeit, einen Einblick in die astronomischen Kenntnisse vor rund 3600 Jahren zu erhalten.

Abenteuerlich ist der Weg dieses kostbaren Fundes in die Öffentlichkeit; er liest sich wie eine Kriminalgeschichte. Raubgräber entdeckten die Himmelsscheibe um 1997 oder 1998 in der Umgebung von Sangerhausen in Sachsen-Anhalt. Hehler kauften 1999 die schwer beschädigte Scheibe und wollten diese außer Landes bringen. Glücklicherweise erhielten die staatlichen Stellen davon Kenntnis und leiteten eine spektakuläre Polizeiaktion ein, in deren Verlauf die Sicherstellung des hochwertigen archäologischen Kulturgutes sowie die Festnahme der Täter gelang.

Auf der Scheibe sind 32 kleine Goldblättchen (Sterne), zwei von ursprünglich drei Goldbögen an den Rändern und zwei Vollobjekte des Himmels zu erkennen: wahrscheinlich handelt es sich dabei entweder um Sonne und Mond oder die verschiedenen Phasen einer Sonnen- oder Mondfinsternis. Zwei der Sterne werden durch einen Goldbogen überdeckt, ein Stern ist abgefallen und ein anderer im Bereich des fehlenden Goldbogens wurde während des Herstellungsprozesses versetzt. Sieben der Sterne zeigen mit hoher Wahrscheinlichkeit das Sternbild der Plejaden. Die übrigen Sterne sind keinem Sternbild zuordenbar. Die Plejaden waren in der Antike für Ackerbau und Schifffahrt von besonderer Bedeutung. Ein wesentlicher Punkt ist aber, dass die Plejaden in einer Konstellation zum Halbmond stehen, die sieben Tage später zwangsläufig zu einer Mondfinsternis führt. Wenn das von den Schöpfern dieser Scheibe beabsichtigt war, dann würde das bedeuten, dass man schon damals über viele Generationen Mondfinsternisse beobachtete und himmelsmechanische Gesetze bekannt waren. Zwei randbegleitende Goldbögen, von denen einer abgefallen ist, wurden offensichtlich später angebracht und stellen die Horizonte dar. Würde man zwischen Sommer- und Wintersonnenwende (21. Juni und 21. Dezember) von einem erhöhten Standpunkt aus den Aufgang und den Untergang der Sonne beobachten, dann würde der Sonnendurchlauf über diesen Zeitraum in Mitteldeutschland 82,5° des Kreises überstreichen. Die beiden Goldbögen zeigen genau diesen Winkel. Der dritte Goldbogen zwischen den beiden Horizontbögen ist stärker gebogen und wird als Schiff, das zwischen den Horizonten über das nächtliche Himmelsmeer fährt, interpretiert, was als religiöses Symbol verstanden werden kann.

Dieser Schlüsselfund für die europäische Vorgeschichte, die Astronomiegeschichte, sowie die frühe Religionsgeschichte liefert die erste uns bekannte konkrete Himmelsdarstellung der Menschheitsgeschichte und lässt einen ersten Einblick in die astronomischen Kenntnisse des vorgeschichtlichen Menschen zu.
Die Himmelsscheibe von Nebra wird für die nächsten Jahre im Mittelpunkt weiterer Forschungen stehen."